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Ginseng

In der Naturheilkunde, der Traditionellen Chinesischen (TCM) und Koreanischen Medizin (TKM) sind Ginseng und seine Darreichungsformen wie Pulver, Extrakt oder Wurzelabschnitte eine Art „Allheilmittel“, eine Allzweckwaffe bei ganz unterschiedlichen Krankheiten. Auch die westliche Medizin hat sich in zahlreichen Studien der Wirkstoffe und Wirkungen der alten Heilpflanze angenommen, und so gilt Ginseng heute als eine der am besten erforschten Medizinpflanzen.

Einmal jährlich findet unter der Leitung der Koreanischen Ginseng-Gesellschaft eine Konferenz statt, die die neuesten Erkenntnisse zusammen trägt und anschließend in Buchform veröffentlicht. (1) Die HMPC stufte Ginseng als „anerkanntes traditionelles Arzneimittel“ ein, die Kommission E/ESCOP hat den Koreanischen Ginseng als Mittel „zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszens“ bestätigt. Ginseng-Pulver, lose oder in Kapseln, ist die bekannteste Darreichungsform neben Tee, Extrakt oder diversen verarbeiteten Produkten.

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Die im europäischen Handel befindlichen Wurzeln stammen vorwiegend aus der Volksrepublik China oder aus Korea. Der große Sorgfalt erfordernde Anbau und die lange Reifezeit der Pflanze (sie blüht das erste Mal nach ca. 3 bis 4 Jahren) rechtfertigen den nicht geringen Preis, besonders wenn es sich um größere, ältere Wurzeln mit einem hohen Gehalt an Ginsenosiden handelt.

Folgende Darreichungsformen sind bei uns in Bio-Qualität erhältlich:

Die Ginseng-Pflanze

Der botanische Name des Ginseng lautet „Panax ginseng“, wobei Panax aus dem Griechischen kommt und „allheilend“ bedeutet. Die lateinische Bezeichnung „Panacea“ geht in die gleiche Richtung, denn die deutsche Übersetzung ist Wunder- oder Allheilkraut. Der Name ist also Programm, denn dem krautigen Efeugewächs werden besonders umfassende Heilkräfte zugeschrieben. Die Ginseng-Pflanze wird etwa 80 Zentimeter groß, die gelblich-weißen Blütendolden sind relativ unscheinbar, aber die roten Früchte leuchten in wunderschönem Rot. Sie entwickeln sich ab dem vierten Jahr und tragen jeweils zwei Samen für die Nachzucht. Die typische Wald- und Gebirgspflanze verliert im Herbst ihre langstieligen, drei- bis fünffingrigen Blätter. Der Anbau des Exoten gelingt übrigens auch in unseren Breiten: In der Lüneburger Heide besteht seit mehr als 30 Jahren eine Ginseng-Farm. Die Ginseng-Wurzel besitzt eine menschenähnliche Form, was ihr in China auch den Namen „jen shen“, also Menschenwurzel, verlieh. Und genau diese Wurzel schenkt uns auch die Heilkraft.

Neben den Wurzeln können auch die Blüten zu einem aromatischen Tee verarbeitet werde. Als bedeutend für die positive Wirkung vom Ginsengzubereitungen wird der Gehalt an Ginsenosiden betrachtet. Für die Verarbeitung in Europa werden neben Wurzelabschnitten hauptsächlich Ginseng-Pulver eingesetzt. Während die asiatischen Kunden fermentiertem, roten Ginseng den Vorzug geben, wird in Europa meistens der weiße Ginseng gehandelt.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Vor allem der Koreanische Ginseng (Panax ginseng C.A. Meyer) wird für die medizinische Anwendung und auch die Herstellung von Ginseng Pulver eingesetzt. Er soll die höchere Konzentration gesunder Inhaltsstoffe im Vergleich zum Chinesischen (Panax notoginseng) besitzen. Der Japanische Ginseng (Panax pseudoginseng subsp. Japanicus) hat ebenfalls pharmazeutische Wirkung, allerdings eine andere als der Koreanische Ginseng.

Hauptwirkstoff der Ginseng-Wurzel sind die Ginsenoside, von denen bisher mehr als dreißig unterschiedliche nachgewiesen werden konnten. Dabei handelt es sich chemisch gesehen um eine Variante der Saponine, denen unter anderem antibiotische, immunmodulierende, cholesterinsenkende Wirkungen zugeschrieben werden. Ginsenoside sind zudem dem Kortison recht ähnlich, wodurch auch eine Wirkung von Ginseng auf unser Hormonsystem entsteht. Viele Studien beschäftigen sich mit diesen Wirkstoffen und werden vermutlich noch viele spannende Ergebnisse zu Tage bringen. (2) Es konnten außerdem über 150 weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Ginseng-Wurzel bestimmt werden. Darunter Vitamine (B-Komplex und C), Mineralstoffe und Spurenelemente (Magnesium, Zink, Selen, Eisen, Kalium und viele mehr), ätherische Öle, Polyphenole (z. B. schmerz- und entzündungshemmende Salicylsäure), Peptide (Proteine mit insulinähnlicher Wirkung), Fettsäuren und Aminosäuren.

Die spezielle Wirkung des Ginseng Pulvers beruht vermutlich auf ihrem besonders ausgewogenen Gehalt an Haupt- und Nebenwirkstoffen. Das führt dazu, dass die Wirkung der Heilpflanze als „adaptogen“ beschrieben wird.

Die adaptogene Wirkung von Ginseng

Die getrocknete und zu Ginseng-Pulver vermahlene Wurzel ist die Ausgangsbasis für verschiedene Ginseng-Präparate, die als so genanntes „Adaptogen“ eingesetzt werden. Ein Adaptogen ist dadurch gekennzeichnet, dass es nicht gezielt gegen eine bestimmte Erkrankungen oder ein spezielles Beschwerdebild wirkt. Stattdessen wirken die Substanzen auf den gesamten Organismus, und zwar ausgleichend in genau der Weise, die der Körper gerade benötigt. Der Körper wird dadurch befähigt, sich dem Stress der Erkrankung anzupassen (to adapt = engl. sich anpassen) und adäquat darauf zu reagieren. Ginseng sorgt also für einen Ausgleich, wenn Gesundheitsprobleme den Organismus schwächen und mobilisiert in besonderem Maße die Selbstheilungskräfte. Das entspricht dem ganzheitlichen Ansatz traditioneller medizinischer Richtungen und der Naturheilkunde. Daher wird Ginseng breit gefächert eingesetzt, etwa bei geschwächtem Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stresszuständen, allgemeiner Abgeschlagenheit und Müdigkeitssyndrom, Diabetes, Bluthochdruck, Wechseljahresbeschwerden, zum Aufbau nach überstandener Krankheit und manchem mehr.

Kauf und Einnahme von Ginseng

Im Handel findet man Ginseng-Pulver in loser Form, das trocken eingenommen, über Speisen gestreut oder in heißem Wasser gelöst getrunken werden kann. Täglich 1-2 Gramm gelten vorbeugend als gesundheitsstärkend. Das Ginseng-Pulver wandert auch in Kapseln, Dragees oder Tabletten und wird – vermischt mit Milch- oder Traubenzucker – als Granulat angeboten. Kapseln und Co. enthalten dabei immer die gleiche Wirkstoffmenge, was die Dosierung vereinfacht. Üblich ist auch ein Tee aus zerkleinerten Wurzelstücken oder die Weiterverarbeitung in Lutsch- oder Kaupastillen, zu Tonikum (Ginseng-Schnaps) oder Extrakt. Bei Ginseng-Extrakt handelt es sich um Ginseng-Pulver, das durch Alkohol- oder Wasserextraktion hergestellt wurde und mit unterschiedlichen Ginsenosidgehalten angeboten wird, die auf der Packung stehen müssen.

Ginseng ist ein frei verkäufliches Arzneimittel. Diese sind nach Deutschen Regeln qualitätsgeprüft und müssen bestimmten Anforderungen entsprechen. Daher kann eine nachweisbare Wirkung erwartet werden. Nach DAB (Deutsches Arzneibuch) müssen Ginseng-Präparate einen Mindestgehalt von 1,5 % an Ginsenosiden enthalten. Ob es sich um Roten oder Weißen Ginseng handelt, ist dabei unerheblich: Die Unterschiede zwischen beiden bestehen in der Verarbeitung und dem Alter der Wurzel, was sich auf den Wirkstoffgehalt jedoch nicht auswirkt.

In den Herkunftsländern üblich ist auch die Verwendung der frischen Wurzel in der Küche. Als Gemüse mit leicht lakritzartigem Duft und zunächst etwas bitterem, später süßlichem Geschmack ist es vielseitig zu verwenden. Hierzulande gibt es die frische Wurzel nicht. Getrocknete Wurzelstückchen oder Ginseng-Pulver können aber auch hier als Gewürz dienen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Wirkung von Ginseng stellt sich erst nach mehrwöchiger Einnahme ein – etwas Geduld ist also gefragt. Kombiniert mit koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Tee, Cola oder Energy Drinks kann die Wirkung des Koffeins verstärkt werden und Nervosität oder Schlafprobleme auftreten. Auch bestimmte Medikamente können in ihrer Wirkung verstärkt werden, daher sollte vor Anwendung des Arzneimittels mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden.

Autoimmunerkrankungen (Morbus Crohn, Rheuma u.ä.) gelten als Gegenanzeige, da das ohnehin schon überaktive Immunsystem noch weiter angeheizt werden könnte. Da Ginseng-Präparate eine blutverdünnende Wirkung haben, sollte vor anstehenden Operationen die Einnahme rechtzeitig beendet werden. Aussagekräftige Studien zur Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern fehlen, daher sollte in diesen Fällen auf die Verwendung verzichtet werden.

Fazit

Ginseng-Pulver ist ein Arzneimittel, das allgemein leistungssteigernd, aufbauend und stärkend auf den Organismus (Körper und Geist) wirkt. Sein breites Wirkspektrum verdankt es vor allem den Ginsenosiden, die zusammen mit vielen weiteren hochwertigen Wirkstoffen einen optimalen Synergieeffekt entwickeln.

Quellen:

(1) Journal of Ginseng Research: www.ginsengres.com

(2) Leung, KW & Wong, AS: Pharmacology of ginsenosides: a literature review. 2010
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2893180/