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Haiknorpelpulver

Erst seit den 1980er Jahren ist Haiknorpelpulver in den Fokus geraten – als Sportlernahrung, zur Linderung von Rheuma und Arthritis sowie als Mittel gegen Erkrankungen der Haut. Sogar in Zusammenhang mit der Krebstherapie wird seither über Haiknorpelpulver diskutiert.

Haifischknorpel, beworben als „biologische Spezialnahrung“,  sollen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auf verschiedene Vorgänge im menschlichen Organismus Einfluss nehmen können. Aussagekräftige wissenschaftliche Studien zur Wirkung des Fischknorpels sind bisher allerdings praktisch nicht vorhanden.

Geschichte des Haiknorpelpulvers

Im Jahr 1983 entdeckten Wissenschaftler am Massachusetts Institut of Technology (MIT) einen speziellen Effekt von Knorpel-Extrakten von Kälbern und Haien: Unter bestimmten Bedingungen war der Extrakt in der Lage, das Wachstum von Blutkapillaren zu verhindern. Daraus folgerten sie, dass gegebenenfalls die für eine Tumorentwicklung notwendige Bildung von neuen Blutgefäßen unterbunden werden könnte. Durch In-vitro- und Tierversuche konnte das untermauert werden. Eine direkte hemmende oder gar abtötende Wirkung auf das Krebszellwachstum konnte allerdings bisher nicht nachgewiesen werden. Auch das 1992 durch den Biochemiker Dr. William I. Lane veröffentlichte Buch „Sharks don’t get cancer“ (1) führt mit seinem Titel in die Irre, denn es sind mehr als 20 verschiedene Krebsarten bei Haien bekannt. Diese sind im Tumorregister der George Washington University und diversen Publikationen registriert.

Wenn Haiknorpelpulver also keine nachgewiesene Wirkung gegen Krebserkrankungen besitzt, so könnten die Wirkstoffe aber durchaus bei den ebenfalls mit der Einnahme verbundenen anderen Gesundheitsproblemen greifen. Welchen Inhaltsstoffen eine mögliche Wirkung verdankt werden könnte, soll nun beleuchtet werden.

Inhalt und Wirkung von Haiknorpel

Haiknorpel enthalten neben einer beachtlichen Menge natürlichen Kalziums auch Glucosamin und Chondroitin. Diese Substanzen sind vor allem für den Aufbau von Gelenken, Sehnen und Bändern sowie den Erhalt der Knochenstrukturen sehr wichtige Bausteine.
Glucosamin ist ein so genannter „Aminozucker“, also eine mit einem Einfachzucker verbundene Aminosäure. Natürlicher Weise kommt es im menschlichen Körper im Bindegewebe, in den Knorpeln und der Gelenkflüssigkeit vor. Glucosamin wird als Arzneimittel beispielsweise bei Kniearthrose verwendet.
Chondroitin, ebenfalls  natürlicher Bestandteil des Gelenkknorpels, ist als Arzneimittel zur oralen Einnahme in Deutschland nicht zugelassen. Es ist allerdings Bestandteil verschiedener Nahrungsergänzungspräparate. Diese dürfen nicht gesundheitsschädlich sein, aber auch keine pharmakologische Wirkung besitzen. (2) Haiknorpelpulver ist reich an beiden Substanzen. Sie sollen helfen, Schmerzen bei Gelenkbeschwerden zu lindern und Entzündungen zu hemmen. Auch knorpelschützende und –aufbauende Eigenschaften werden genannt.

Durch den hohen Gehalt an Eiweiß (Haiknorpel besteht gut zur Hälfte aus Protein) und Kalzium gilt Haiknorpelpulver auch als gut für beanspruchte, erkrankte Haut.

Anwendung und Dosierung von Haiknorpelpulver

Angaben zu Dosis und Einnahme von Haiknorpelpulver variieren je nach Präparat, dessen Qualität und Grund der Einnahme. Mengen zwischen 3 und 30 Gramm täglich werden genannt. Die Einnahme von Kapseln laut Packungsangabe mit reichlich Wasser vor der Mahlzeit ist am einfachsten und sichersten.

Vielfach wird auch auf rektale Spülungen mit Haiknorpelpulver verwiesen: Sie sollen die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper verbessern und Wirkstoffverluste durch den Verdauungsvorgang verhindern.

Mögliche Neben- und Wechselwirkungen

Die Einnahme von Haifischknorpelpulver ist vor allem für Fischallergiker ein Problem. Betroffene mit einer Fischeiweißallergie (Allergie gegen Schalen- und Krustentiere) dürfen das Pulver nicht einnehmen. Personen mit Diabetes mellitus sollten ebenfalls  Vorsicht walten lassen, da ein Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel nicht ausgeschlossen ist. Wer Blutgerinnungshemmer einnehmen muss, kann Probleme durch das enthaltene Chondroitin bekommen, da es den Effekt dieser Medikamente verstärken kann. (3) Daher sollte auch vor einer anstehenden Operation keinesfalls Haiknorpelpulver eingenommen werden.

Bei Einhaltung der empfohlenen Dosierung sind ansonsten keine Nebenwirkungen zu beobachten. In zu hohen Dosen kann Übelkeit und/oder Verstopfung auftreten. Zur Verwendung während Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine hinreichenden Erkenntnisse vor, daher sollte der behandelnde Arzt befragt werden. Gleiches gilt für Kinder.

Herstellung, Qualitätssicherung und Kauf

Insgesamt sind heute etwa 350 verschiedene Haiarten bekannt, die sämtliche Weltmeere bevölkern. Ihr Skelett besteht nicht aus Knochen, sondern aus Knorpel, einer gummiartigen Substanz. Der Knorpel wird zunächst gründlich gereinigt, anschließend gefriergetrocknet und pulverisiert, dann als loses Pulver oder in Kapseln vertrieben. Aus Tierschutzgründen sollten ausschließlich Präparate verwendet werden, die aus so genanntem „Beifang“ stammen. Das heißt, die Haie werden im Zuge der Fischerei anderer Fische, wie etwa Tunfisch, „nebenbei“ mit gefangen. Wichtige Knorpellieferanten sind Neuseeland und Japan, Costa Rica, Panama, Taiwan, aber auch Portugal und Spanien.

Für ein Kilogramm Haiknorpelpulver (auch als Extrakt oder Konzentrat bezeichnet) werden fünfzig Kilogramm Hai verbraucht. Dabei wird der ganze Hai verarbeitet. Eine gute Qualität verzichtet auf Zusatzstoffe. Haiknorpelpulver wird in Reformhäusern, Apotheken und im Onlinehandel angeboten.

Fazit

Haiknorpelpulver wird geschätzt als Nahrungsergänzungsmittel, das Linderung bei Beschwerden der Gelenke (z. B. Arthritis, Gelenkrheuma, Osteoporose) verschaffen soll. Auch Sportler verwenden es gerne, um Verschleiß zu mindern und Muskeln und Gelenke geschmeidig zu halten. Einen wissenschaftlichen Beleg für eine oft angeführte Wirkung bei Krebserkrankungen – welcher Art auch immer – gibt es nicht.

Quellen:
(1) Lane, Dr. William I. & Comac, Linda: Warum Haie gegen Krebs immun sind. Ullstein Verlag, 1994
(2) www.bfr.bund.de/cm/343/verwendung_von_chondroitinsulfat_in_nahrungsergaenzungsmitteln.pdf
(3) www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/07/glucosamin_in_nahrungsergaenzungsmitteln__riskant_auch_fuer_patienten__die_cumarin_antikoagulanzien_einnehmen-128853.html