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Manganhefe

Manganhefe gehört zu den sogenannten Mineralhefen, ähnlich der Selenhefe und anderen Vertretern ihrer Art. Diese mineralreichen Hefen werden zusammen mit der Bierhefe oft als Nahrungsergänzung für Tiere verwendet. In der menschlichen Ernährung hat sich die Manganhefe bisher nicht durchsetzen können. Als Nahrungsergänzung für Menschen hat die Selenhefe eine wesentlich größere Bedeutung. Bei der Tierernährung spielen Mineralhefen hingegen eine ungleich größere Rolle.

Dies ist erstaunlich, da durch die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft manche Spurenelemente und Mineralstoffe in der Nahrung nicht mehr so stark vertreten sind, wie sie vom Organismus benötigt werden. Gründe hierfür sind beispielsweise ausgelaugte und durch schweres Gerät verdichtete Böden, nährstoffärmere Anbauprodukte oder auch die Massentierhaltung, die in erster Linie auf schnelles Wachstum ausgerichtet ist. Der Klimawandel, ungeeignete Lagerungsverhältnisse, unsachgemäße Zubereitung oder die künstliche Nachreifung zu früh geernteter Exportware sind weitere Faktoren, die eine durchschnittlich schlechtere Nahrungsqualität zur Folge haben.

Mangan - Mineralstoff im Fokus

Unsere Ackerböden sind teilweise schon seit Jahrhunderten in Bewirtschaftung. Als Folge ist es in manchen Teilen Europas zu einer Verringerung der Nährstoffgehalte in den darauf gezogenen Produkten gekommen. Mineralstoffe und Spurenelemente schwinden erst, wenn weitgehend oder ausschließlich synthetische Dünger statt organischer Düngemittel verwendet werden. Eine natürliche Düngung mittels Kompost, Gründüngung oder Mist findet sich nur noch im ökologischen Landbau. Der Ackerboden wird zwar auch mit synthetischen Düngemitteln gut genährt. Aber manche Spurenelemente sind in diesen einfach nicht enthalten. Sie bauen sich nach und nach ab.

Um dadurch entstehende Mängel an Spurenelementen in der Nahrung zu vermeiden, wurden die Mineralhefen entwickelt. Neben der Manganhefe sind das zum Beispiel die Selenhefe und die Chromhefe. Das Mangan ist als essenzielle Zutat in Lebensmitteln bei der Herstellung bestimmter Enzyme aus verschiedenen Enzymklassen unverzichtbar. Außerdem ist Mangan in Polypeptiden und Retroviren enthalten. In anderen Kontexten wird es in der Industrie eingesetzt. Im menschlichen Organismus sind je nach Ernährungslage etwa 10 bis 40 Milligramm Mangan als Speichergut anzutreffen. Wichtigste Speicherorte sind beispielsweise Leber und Nieren, Bauchspeicheldrüse und Knochenmasse. Das Gehirn enthält Mangan-Ionen nur als Verbindung mit verschiedenen Metallo-Proteinen wie Glutamat-Ammonium-Ligase.

Um einen ausreichend hohen Vorrat an diesem essenziellen Spurenelement im Organismus zu erzeugen, ist mit der Nahrung täglich etwa ein Milligramm Mangan zuzuführen. In Deutschland wird mit einer durchschnittlich nährstoffreichen Ernährungsweise mehr als das Doppelte pro Tag aufgenommen. Eventuelle Mangelerscheinungen beim Menschen müssen daher nicht mittels Manganhefe behoben werden. Treten jedoch einmal Mangelerscheinungen auf - zum Beispiel im Rahmen von anhaltender Fehlernährung, Magersucht oder Bulimie - kann es zu Skelettveränderungen, neurologischen Störungen oder einer Beeinträchtigung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels kommen. Schwangere Frauen erleben eventuell Fruchtbarkeits- und Wachstumsstörungen. Bei Tieren ist die Situation ähnlich.

Von Natur aus ist Mangan in kleinen Mengen in Weizenkeimen, Leinsaat, Roggenvollkornbrot, Haferflocken, Schwarztee, Heidelbeeren oder Haselnüssen enthalten.

Welche Bedeutung hat Manganhefe?

Mineralhefen wie die Manganhefe werden oft zusammen mit anderen Hefen in Nahrungsergänzungspräparaten für Tiere verwendet. Damit werden Nährstoffdefizite behandelt oder ein erhöhter Manganverbrach ausgeglichen. Mineralstoffhaltige Hefen nehmen die Tiere wegen des angenehmen Geschmacks gerne an. Die Tierhalter schätzen, dass es sich bei Hefen um natürliche Produkte mit hoher Nährstoffdichte handelt. Der hohe Nährstoffgehalt in den Hefetabletten sorgt bei den Tieren für mehr Vitalität und Leistungsbereitschaft. Die enthaltenen B-Vitamine, das Biotin, die Mineralstoffe und die enthaltenen Proteine sorgen in Kombination dafür, dass

  • der Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel reibungslos funktioniert
  • das Nervenkostüm und die allgemeine Belastbarkeit sich verbessern
  • eine Vitalitätssteigerung erzielt wird
  • ein verbesserter Zellschutz etabliert wird
  • die Energiegewinnung auf der Zellebene besser funktioniert
  • und das Immunsystem unterstützt wird.

Mineralhefen werden unter speziellen Bedingungen hergestellt. Sie müssen in einer zuckerreichen Nährlösung unter Zusatz von metallischen Nährsalzen gezüchtet werden. Nach der Pelletierung und Trocknung dienen solche Hefen als Nahrungsergänzung. Zu industriell hergestellten Nahrungsmitteln werden sie in der Regel nicht gegeben.

Möglicherweise spielen solche Nahrungsergänzungen aber zukünftig eine wichtigere Rolle bei der Behandlung oder Verhinderung neurodegenerativer Erkrankungen. Einige Studien befassen sich bereits mit diesem Thema. Erforscht wird die Rolle von Manganhefen derzeit bei der Entstehung und Behandlung von Chorea Huntington oder Veitstanz, bei der Alzheimer-Erkrankung, bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und bei den sogenannten Prionen-Erkrankungen. Dazu gehören meist tödlich verlaufende Erkrankungen wie

  • die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJK)
  • eine CJD-Variante (VCJD)
  • die variable Protease-sensitive Prionopathie (VPSPr)
  • die letale Insomnie
  • das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS)
  • die Kuru-Krankheit in Papua-Neuguinea
  • und die neu entdeckte, noch namenlose Prionen-Erkrankung mit Durchfall und autonomer Neuropathie.

Ob die Manganhefe bei der Behandlung solcher Erkrankungsbilder später eine bedeutende Rolle erhält, ist derzeit nicht absehbar. Immerhin befinden sich die Spurenelemente Chrom und Mangan diesbezüglich in der Diskussion. Geprüft wird, ob sie präventive und therapeutische Effekte zeitigen. Diese könnten sich bei der Behandlung schwerer Erkrankungen, die bisher als ohne Heilungsaussicht gelten, einsetzen lassen.