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Weihrauchöl

Der typische, leicht zitronige Duft von Weihrauchöl vermittelt umgehend ein angenehmes, positives Gefühl. Seine Wirkung auf die Psyche ist seit Jahrtausenden bekannt, weshalb Weihrauch auch schon immer und in verschiedensten Kulturen als Salb- und Heilöl sowie für kultische Zeremonien verwendet wurde. Noch heute ist er fester Bestandteil auch in der katholischen Kirche. Weihrauchöl besitzt sowohl Wirkung auf den Geist als auch auf den Körper, was das Öl zu einer vielfältig verwendbaren Kostbarkeit macht.

Boswellia – der Weihrauchbaum

Der Weihrauchbaum, der mit botanischem Namen „Boswellia“ heißt, wächst in tropischen und subtropischen Regionen. Er kommt in großer Artenvielfalt vor, von denen aber nur wenige wirtschaftlich genutzt werden. Der bis zu sieben Meter hohe Baum, der häufig auch eine eher strauchige Wuchsform annimmt, besitzt eine recht dünne Rinde. Unter dieser Rinde befindet sich das, was so hoch geschätzt wird: das Weihrauchharz (Olibanum). Es wird durch Anritzen der feinen Rinde mit speziellen Messern gewonnen, so dass die milchige, klebrige Flüssigkeit austreten und aufgefangen werden kann. Aus diesem Harz wird durch Dampfdestillation das wertvolle ätherische Weihrauchöl gewonnen. Bis zu achtzig Kilogramm Harz wird für nur einen einzigen Liter des Öls benötigt. Die jährliche Ernte eines Weihrauchbaumes beträgt zwischen drei und zehn Kilogramm Harz. Für die medizinische und kosmetische Verwendung sollte nur 100 % reines ätherisches Weihrauchöl höchster Qualität verwendet werden. Nur dann sind alle Inhaltsstoffe in der gewünschten Konzentration enthalten.

Inhalts- und Wirkstoffe

Der pharmakologische Hauptwirkstoff von Weihrauch ist die Boswelliasäure. Ihr wird eine antientzündlich und antiallergische Wirkung zugeschrieben. Boswelliasäure kommt ausschließlich in Olibanum, also im Weihrauchharz und im daraus hergestellten Weihrauchöl vor. Damit besitzt der Weihrauch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Weitere Wirkstoffe sind ätherische Öle (insbesondere Pinen, Olibanol, Dipenten), die antibakteriell und desinfizierend wirken und aufgrund ihrer Duftstoffe auch entspannende und krampflösende Effekte haben sollen. Hinzu kommen Bitterstoffe, Schleimstoffe und ein relativ hoher Anteil an Gummi. Bisher konnten mehr als zweihundert Einzelstoffe im Weihrauchharz gefunden werden, die vermutlich vor allem in ihrem Zusammenspiel eine Wirkung entfalten. Neben den genannten Eigenschaften soll Weihrauch auch schmerzlindernde, durchblutungsfördernde, immunstärkende, auswurffördernde und antimykotische Wirkungen zeigen. Vollends klinisch nachgewiesen sind diese Wirkungen allerdings bisher nicht. Es wurden aber in den letzten Jahren verschiedene wissenschaftliche Studien mit positiven Ergebnissen durchgeführt.

Anwendung von Weihrauchöl

Weihrauchöl wird gerne in der kosmetischen Industrie eingesetzt, denn traditionell wird das Öl bei Hauterkrankungen eingesetzt. Sparsam dosiert kann es deshalb hervorragend zur Herstellung eigener Kosmetik verwendet werden, etwa als Zusatzstoff in Massageöl, Seifen, Duschgel, Shampoo sowie Salben und Cremes. Die Regenerationsfähigkeit der Haut soll gefördert werden und kleine Entzündungen abheilen. Massagen mit einem guten Massageöl, dem einige Tropfen Weihrauchöl zugefügt wurden, gelten als besonders wirkungsvoll bei Gelenkschmerzen und Muskelbeschwerden. Schon Hildegard von Bingen empfahl Weihrauchöl gegen Schmerzen. Neuere deutsche Studien weisen auf einen positiven Effekt bei rheumatischen Beschwerden hin. Neben Einreibungen werden hier auch Kompressen oder die Verwendung als Badezusatz als wirkungsvoll beschrieben.

Unbestritten ist auch die Wirkung des Duftes, weshalb Weihrauchöl häufig in der Duftlampe verwendet wird. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass nicht ein einfaches „Duftöl“ verwendet wird, sondern ein sehr hochwertiges, reines Produkt. Besonders geschätzt werden bei der Verdampfung die antidepressiven, beruhigenden, konzentrationsfördernden Effekte. Deshalb wird Weihrauchöl unter anderem in psychotherapeutischen Einrichtungen, zur Unterstützung der Meditation und nicht zuletzt in Kirchen und anderen sakralen Gebäuden eingesetzt. In der Aromatherapie wird Weihrauchöl auch bei Nasennebenhöhlenerkrankungen genannt.

Auch innerlich kann Weihrauchöl unter bestimmten Voraussetzungen verwendet werden. Hier sollte aber streng auf die Anwendungshinweise und die empfohlene Dosierung geachtet werden. Weihrauchöl sollte nur in sehr geringen Mengen eingenommen werden und eine Therapie ausschließlich unter fachkundiger Anleitung erfolgen.

Neben- und Wechselwirkungen

Weihrauchöl ist generell sparsam zu dosieren, gilt dann aber als relativ nebenwirkungsarm. Bei höherer Dosierung können Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen auftreten. Hautreaktionen sind selten, aber möglich. Von der Anwendung bei Kindern wird allgemein abgeraten, auch das Verdampfen ist – vor allem bei Kleinkindern – nicht angezeigt, weil Kinder sehr empfindliche Atemwege haben. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte eine Verwendung von Weihrauchöl mit dem Arzt abgesprochen werden.

Da Weihrauchöl den Abbau bestimmter Medikamente verzögern kann, ist beispielsweise die gleichzeitige Anwendung von Weihrauchöl und Methotrexat (MTX) bei Rheuma mit dem Arzt abzustimmen. Auch andere Medikamente können kritisch sein.

Fazit

Weihrauchöl gilt als altes Heil- und Salböl. Schon seit der Antike gilt es als Beruhigungsmittel, im Ayurveda wird es seit Jahrtausenden verwendet. Indisches Weihrauchharz war auch lange im Europäischen Arzneibuch eingetragen und wurde auf Rezept abgegeben. Dann geriet es hier als Arzneimittel in Vergessenheit. Weihrauchöl eignet sich hervorragend als Duftöl und als Zutat in kosmetischen Produkten.